(Un-) Wildkräuter

Das Wort Un-Kraut ist ein Un-Wort: man sollte es aus seinem Wortschatz verbannen.

Es handelt sich um Wild-Kräuter. Auch bieten sie oft kleinen Lebewesen Zuflucht bzw. die notwendigen Lebensvoraussetzungen. Außerdem kann man viele Wildkräuter essen oder sie zum Heilen benutzen.

Scharbockskraut

Da wäre als erster Frühlingsbote das Scharbockskraut (Ficaria verna). Menschen mit perfektem Rasen hassen es, weil es nicht auszurotten ist, dort wo es auftritt, aber sein fröhliches Leuchten tut gut nach dem grauen Winter.

Sein Name kommt von Scharbock (was so viel wie Skorbut bedeutet). Seine glänzenden runden Blätter enthalten viel Vitamin-C. Anscheinend nahmen Seefahrer das Kräutchen oft mit auf die Reise, weil besonders sie von Vitaminmangel bedroht waren..

Wir können die Blättchen (am besten vor Erscheinen der Blüten) einfach in den Salat tun: gut gegen Frühjahrsmüdigkeit.

Giersch

Nennen wir ein zweites unverwüstliches Kraut, das für viele schön an Wegrändern bleiben sollte, aber nicht im „gepflegten“ Garten: der Giersch (Aegopodium podagraria). Auch er kann einen zur Verzweiflung bringen, wenn man sich seiner entledigen möchte. Ab Mai zieren ihn weiße Dolden und an seinen dreikantigen Stielen kann man ihn leicht von andern Doldenblütlern unterscheiden.
Früher wurde Giersch in Klostergärten absichtlich angebaut, um als Heilpflanze, besonders gegen Gicht, verwendet zu werden (auf Französisch heißt er : herbe aux goutteux, eben für Gichtkranke). Er enthält viele Vitamine, vor allem Vitamin C, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Die jungen weichen Blätter kann man im Salat, in Suppen, als Spinat-Ersatz oder in Wildkräuter-Aufstrichen essen.

Gundermann

Der Gundermann oder Erdefeu (Glechoma hederacea) wächst in Bodennähe und kriecht die Erde entlang wie eben Efeu. Er ist eine kleine Pflanze, die das ganze Jahr über zu finden ist. Praktisch! Er hat saftig grüne Blätter in Herz- bzw. Nierenform und kleine blauviolette lippenförmige Blüten. Er enthält viele ätherische Öle und wiederum Vitamin C und ist ein vielseitiges Heilkraut. Aber auch in der Küche kann man sowohl die jungen Blätter als auch die Blüten verwenden insbesondere in Salaten oder als Zutat für Kräuterbutter oder Kräuterquark. Er hat einen pikanten, leicht scharfen und bitteren Geschmack, der Speisen interessanter macht, aber Vorsicht: er wird leicht dominant, wenn man zu viel davon verwendet.

Bärlauch

Bärlauch (Allium ursinum) wächst normalerweise nicht im Garten sondern unter schattenspendenden Laubbäumen, oft in der Nähe von Wasser. In Eupen kann man ihn an der Weser (Weserstraße und Oe) und auch an der Hill (Oberer Selterschlag) finden. Wenn man den passenden Gartenboden hat, kann man ihn auch leicht im eigenen Garten ansiedeln. Allerdings ist er sehr ausbreitungsfreudig! Mit seiner schönen, kugelförmigen weißen Blüte entwickelt er sich aber dann auch zu einer prächtigen Augenweide.
Bärlauch-Blätter könnte man verwechseln mit Maiglöckchen-Blättern, aber der Geruch wenn man ein Blatt zerreibt, ist eindeutig. Auch wächst Bärlauch im März-April und Maiglöckchen viel später.

In erster Linie wird Bärlauch in der Küche verwendet. Ein Vorteil ist, dass man davon keinen unangenehmen Mundgeruch bekommt. In frischen Salaten und Quark- oder Frischkäsedips ist er ein beliebter Zusatz. Bärlauch-Suppe und Bärlauch – Pesto sind auch sehr beliebt.  Hildegard von Bingen empfahl das Kraut bei Verdauungsstörungen sowie als gutes Mittel zur Blutreinigung.

Brennnesseln

Brennnesseln (Urtica) werden allgemein als lästiges „Unkraut“ angesehen. Allerdings ist es ratsam, dieser nützlichen Pflanze einen (diskreten) Raum im Garten zu überlassen, denn sie ist nicht nur in der Heilkunde wichtig (wirkt entwässernd, auch blutreinigend und entschlackend), sondern auch in der Küche (enthält mehr Vitamin C als Zitrusfrüchte und ist zudem reich an Mineralien wie Eisen, Kalium und Magnesium) oder im Garten selbst (Brenneseljauche). Total lecker ist Brennnesselsuppe.

Interessanter Tipp: Man kann die Samen der (weiblichen) Pflanzen ernten: Samenstände abschneiden, über Nacht liegen lassen, damit sie nicht mehr stechen, Samen mit den Fingern abstreifen, in der Sonne trocknen oder im Backofen bei mittlerer Hitze in 15 Minuten rösten. Das ergibt einen nussigen Snack.

Löwenzahn

Der Löwenzahn (Taraxacum) ist wahrscheinlich das bekannteste Wildkraut. Objektiv gesehen ist es eine sehr hübsche Pflanz , die einen Rasen in eine freundlich leuchtende Fläche verwandelt. Dass er als Kaninchenfutter gesammelt wird, weiß wohl jeder, aber auch in der Küche und für die Gesundheit ist er sehr empfehlenswert, denn er enthält um ein vielfaches mehr Vitamin A und C als Kopfsalat und wirkt blutreinigend und harntreibend. Zu jedem Salat können von April bis Oktober die zarten jungen Blätter feingeschnitten hinzugegeben werden. Wer’s mag, kann auch ausschließlich Löwenzahn als Salat anrichten; da er etwas herb schmeckt, kann man einen klein geschnittenen Apfel hinzugeben. Auch zu Kartoffeln schmecken klein geschnittene Löwenzahnblätter lecker.

Schöllkraut

Schöllkraut (Chelidonium majus) ist vor allem für seinen gelben Milchsaft bekannt, der ausläuft sobald man einen Stängel knickt. Für die Ernährung ist das Schöllkraut nicht geeignet, und seine heilende Wirkung ist etwas in Vergessenheit geraten. Der Saft ist ein hervorragendes Anti-Warzen oder Hühneraugen -Mittel.

Und schön sieht die Pflanze aus.

Nelkenwurz

Die gemeine Nelkenwurz (Geum urbanum) ist im Garten ein sehr lästiges Wildkraut. Schön zu hören, dass sie früher als Heilpflanze verwendet, in Klostergärten angebaut und als Zusatz in Kräuterlikör genutzt wurde. Wenn wir die lange Pfahlwurzel ausgraben und etwas sauber schaben, können wir eindeutig den Nelkengeruch erkennen, denn sie enthält das ätherische Nelkenöl Eugenol. Sie ist nicht ganz so stark und scharf im Geschmack wie Gewürznelken, kann jedoch genauso verwendet werden. Junge Blätter können im frühen Frühjahr in den Salat gemischt werden. Ältere Blätter werden fein geschnitten in Gemüsegerichte oder den Kräuterquark gegeben. Die Nelkenwurz wurde bei unseren Vorfahren in den Kleiderschrank gelegt zum Schutz der Kleider gegen Motten.

Gänseblümchen

Das Gänseblümchen (Bellis perennis) braucht man nicht vorzustellen. Komischerweise essen Gänse anscheinend das Blümchen nicht; sie lassen es auf der Wiese stehen. Gänseblümchen sind „Wetteranzeiger“. Nur bei Sonnenwetter öffnen sie sich weit, wenn es regnet, bleiben die Blüten geschlossen. Auch nachts schließen sie ihre kleinen Blütenköpfe. Das Gänseblümchen kann im Salat verwendet werden. Am besten schmecken die jungen Blättchen aus dem Inneren der Rosette. Auch die Blüten sind essbar und auch dekorativ im Salat. Die Knospen schmecken angenehm nussartig, die geöffneten Blüten dagegen leicht bitter, wodurch sie sich vorrangig als Salatbeigabe eignen.

Wegerich

Wegerich (Plantago) bedeutet im Althochdeutschen “König der Wege”, denn Wegeriche findet man am Wegesrand am leichtesten. Es gibt Spitz- und Breitwegerich, der eine hat schmale, spitze Blätter, der andere breite. An den Blüten kann man ihn leicht erkennen. Wegerich soll ein wirksames Mittel gegen Husten sein, aber meist kennt man ihn für seine wundheilende Wirkung. Bei Kindern kann man sich beliebt machen, wenn man ein zerdrücktes Blatt (so dass die Zellstruktur aufgebrochen wird und der heilende Saft austreten kann) auf Brennnessel- oder Mückenstiche legt. Selbst kleine Blutungen soll er stillen, eine einfache Erste-Hilfe-Maßnahme.

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