Die belgische Agentur für radioaktive Abfälle, NERAS (ONDRAF), sucht nach geeigneten Flächen für die Endlagerung von radioaktiven Abfällen. Zurzeit läuft dazu die öffentliche Untersuchung.

Für die Co-Präsidenten von Ecolo-Ostbelgien, Pascal Collubry und Ingrid Rosenstein, ist dieses Vorgehen unangebracht: „Weder der Zeitpunkt, jetzt während der Corona-Krise, noch die Art und Weise, wie diese Untersuchung durchgeführt wird, werden der Sache gerecht. Ein Atommüllendlager birgt Risiken für die Umwelt und für die Gesundheit der Bevölkerung. Da kann der Bürger erwarten, vorher angemessen informiert und in die Entscheidungsfindung eingebunden zu werden. Stattdessen findet die Konsultation mitten in einer Krisensituation und ausschließlich online statt. Menschen ohne Internetzugang sind also davon ausgeschlossen und die Information der Bevölkerung über die Konsultation war mangelhaft.“

Es gibt aufgrund der aktuellen Corona-Krise keine Möglichkeit, öffentliche Anhörungen, Expertengespräche abzuhalten oder über Alternativen nachzudenken. Dies ist für eine Entscheidung, die Auswirkungen über Tausende von Jahren haben wird, absolut unangebracht. Die Konsultation sollte deswegen verschoben oder ihre Frist verlängert werden.

Laut einer Karte, die das luxemburgische Umweltministerium gestern veröffentlicht hat, sind einige Gebiete, die die NERAF in Erwägung zieht, unmittelbar an oder sogar in Ostbelgien. Unter anderem eingezeichnet ist eine Stelle im Herver Land, sowie das Massiv von Stavelot. Das ist die geologische Formation, auf der das Hohe Venn liegt.

Anne Kelleter, Ecolo-Abgeordnete im Wallonischen Parlament, hofft, dass es sich bei der Karte wirklich nur um ein allererstes Vorprojekt handelt: „Ich denke, der gesunde Menschenverstand gebietet, dass ein Atommüllendlager nicht unter oder auch nur in der Nähe eines der letzten aktiven Hochmoore Europas und damit einem bedeutendem Naturschutzgebiet entstehen darf. Die Auswirkungen eines solchen
Lagers auf die Pflanzen- und Tierwelt könnten gravierend sein.“

Nicht zu unterschätzen wären auch die Auswirkungen auf den Tourismus einer Region, meint Freddy Mockel, Fraktionsführer von Ecolo im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft: „Die DG gilt zurecht als eine „grüne Lunge“ Belgiens. Ihre Naturschönheiten sind weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und das Potential für den nachhaltigen Tourismus ist hier sehr groß und wird schon rege genutzt. Unsere
Grenzlage bedeutet außerdem, dass wir bei der Entscheidung auch die Bedenken der Menschen in unseren Nachbarländern hören müssen. Wir leben auch von den guten Beziehungen zu unseren Nachbarn.“

Bis zur endgültigen Entscheidung über ein Gesetz für ein solches Endlager ist es noch ein langer Weg. Trotzdem ist es für die ostbelgischen Grünen wichtig, Bedenken frühzeitig zu äußern: „Es führt im Moment anscheinend kein Weg um ein Endlager in Belgien irgendwo unter der Erde herum. Der Atomausstieg muss wie geplant 2025 passieren und wir und zahlreiche folgende Generationen werden wohl oder übel mit
den Altlasten der Vergangenheit leben müssen. Deshalb ist es wichtig, bei der Wahl des Ortes die Folgen für uns Menschen und die Umwelt so gering wie möglich zu halten“, schließen Pascal Collubry und Ingrid Rosenstein.

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