In den USA hat Präsident Trump zentrale Grundlagen der Klimapolitik angegriffen. Die „Endangerment Finding“ von 2009 bildet die rechtliche Basis, auf der Umweltbehörden CO₂-Grenzwerte für Autos, Kraftwerke und Industrie festlegen. Ohne sie lassen sich verbindliche Emissionsgrenzen nicht durchsetzen.
Auch in Europa werden wichtige Maßnahmen verwässert. Die geplante Null-Emissions-Vorgabe für Neuwagen ab 2035, die Planungssicherheit für Investitionen in emissionsfreie Technologien geben sollte, wurde nach Druck einzelner Länder und der Automobilindustrie zugunsten von Fahrzeugen mit E-Fuels abgeschwächt. Einer Branche, die versäumt hat, in Zukunftstechnologien zu investieren, wird so mehr Zeit eingeräumt, weiter von fossilen Systemen zu profitieren. Währenddessen investieren Länder in Asien – etwa China, Südkorea und Japan – massiv in Batteriezellen, Elektromobilität und Netzwerktechnik, sichern sich Marktanteile und technologische Führung. Europa dagegen signalisiert den Rückzug aus dem Fortschritt.
Die fossile Abhängigkeit bleibt enorm. 2025 zahlten die EU-Staaten 396 Milliarden Euro für Öl, Gas und Kohle, vor allem an die USA, Russland, Katar, Nigeria und Algerien. Gleichzeitig entgehen jährlich 50 Milliarden Euro durch Subventionen für Diesel, Flugbenzin und einzelne energieintensive Industrien. Diese Gelder halten klimaschädliche Strukturen künstlich am Leben halten, statt gezielt dafür zu sorgen, dass erneuerbare Energie, energieeffiziente Wohnungen und klimafreundliche Mobilität bezahlbar werden.
Und während die Politik sich zurückzieht, gerät das Klima weiter aus dem Ruder: In Mora (Portugal) wurden im Sommer 46,6 °C gemessen, in Spanien brannten über 230.000 Hektar Wald, und in Venedig setzten Regenfälle und Sturmfluten Häuser, Straßen und historische Infrastruktur unter Wasser.
Es gibt nur eine Spezies auf diesem Planeten, die wissentlich ihre eigene Lebensgrundlage zerstört. Wenn die Interessen der Öl- und Gaslobby wichtiger sind als die der Bevölkerung, dann ist das kein Pragmatismus, sondern Verantwortungslosigkeit.
Klimaschutz ist kein moralisches Accessoire, das man sich in guten Zeiten leistet. Er ist wirtschaftliche Notwendigkeit, soziale Absicherung und sicherheitspolitische Strategie zugleich. Wer heute Investitionen in den Wandel verzögert, zahlt morgen dreifach: durch Schäden, Abhängigkeiten und verlorene Wettbewerbsfähigkeit.
Ich wünsche mir, dass wir aufhören, Klimaschutz als „ideologisches Gehabe“ abzutun. Wir müssen uns klarmachen: Es geht nicht um die Interessen einiger Weniger, sondern um unsere gemeinsame Lebensgrundlage.
Fabienne Colling
Ecolo Ostbelgien
Foto : Marco Verch