Der Klimawandel verändert die Wälder schneller, als traditionelle Bewirtschaftungsansätze darauf reagieren können – auch in Ostbelgien. Ein erheblicher Teil der Bäume weist heute deutliche Schäden auf. Fachliche Einschätzungen zeigen, dass rund ein Fünftel der Bäume stark geschädigt ist, nur etwa ein weiteres Fünftel gilt als weitgehend gesund, der übrige Bestand ist stark beeinträchtigt. Besonders betroffen sind Monokulturen: Fichten leiden massiv unter Trockenheit und Sturm, Buchen zunehmend unter Wassermangel, Eichen etwas weniger, aber ebenfalls spürbar. Entscheidend ist dabei nicht nur die Baumart, sondern vor allem der Standort und die fehlende strukturelle Vielfalt vieler Wälder.
Wenn Wälder auch künftig ihre zentrale Rolle für Klima, Biodiversität, Wasserhaushalt, Erholung und Forstwirtschaft erfüllen sollen, müssen sie anders gedacht werden. Der Schlüssel liegt in der Vielfalt. Je artenreicher und unterschiedlich alt ein Wald ist, desto widerstandsfähiger reagiert er auf Stressfaktoren. Mischwälder mit standortgerechten Baumarten verfügen über ein natürliches Sicherheitsnetz: Unterschiedliche Wurzeltiefen, Wachstumszyklen und Kronenformen sorgen dafür, dass Wasser, Nährstoffe und Licht besser genutzt werden. Fällt eine Art zeitweise aus, können andere ihre Funktionen übernehmen.
„Wald neu denken“ bedeutet, den Wald als Ressource zu stabilisieren, als Garant für unsere Sicherheit und Lebensqualität. Es geht um einen Perspektivwechsel: weg von kurzfristigen Erträgen, hin zu Kontinuität, Stabilität, Anpassungsfähigkeit und Verantwortung über Generationen hinweg. Das heißt nicht, jeden Wald sich selbst zu überlassen oder auf Holzwirtschaft zu verzichten, sondern ihn anders zu begleiten: mit weniger Eingriffen, mehr natürlicher Entwicklung und gezieltem, behutsamen Waldumbau dort, wo Bestände besonders anfällig sind.
Großräumige, zusammenhängende Waldflächen, in denen natürliche Prozesse Vorrang haben und Eingriffe auf Sicherheits- und ökologische Notwendigkeiten beschränkt bleiben, können zu Modellräumen eines klimaresilienten Waldes werden. Solche Wälder leisten messbare Beiträge zum Klimaschutz, binden langfristig CO₂, schaffen Lebensräume für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten und verbessern den Wasserrückhalt – ein zentraler Baustein der Hochwasservorsorge. Ostbelgien verfügt über große Waldflächen und damit über eine besondere Verantwortung und Chance. Je vielfältiger unsere Wälder, desto robuster sind sie. Heute und für kommende Generationen.
Ecolo-Fraktion im Eupener Stadtrat