Es war eine Katastrophe mit Ansage. 2026 brachte neue traurige Hitzerekorde und eine Übersterblichkeit, wie wir sie seit der Covid-Pandemie nicht mehr kannten. Die Dürre setzt Menschen, Natur und Wirtschaft zu – von Ernteausfällen über Einschränkungen der Schifffahrt bis hin zu abgeschalteten AKW.

Wir kannten die Bilder bereits aus Frankreich, Spanien und Griechenland. Wir wussten um das wachsende Risiko durch Hitze und Trockenheit. Dann, am 14. August, stieg neben den Rauchwolken des Feuers im Hürtgenwald eine zweite Rauchfahne über dem Hohen Venn auf. Den weiteren Verlauf kennen wir.

Auch wenn der Brand noch nicht vollständig gelöscht ist, dürfen wir seine Aufarbeitung nicht aufschieben. Denn es ist nicht nur eine Naturkatastrophe. Der Funke mag durch Menschenhand entstanden sein. Dass daraus ein Feuer dieses Ausmaßes werden konnte, hat jedoch mit gleichzeitiger Hitze, Wind und Trockenheit zu tun – Bedingungen, die der Klimawandel wahrscheinlicher und extremer macht.
Das Hohe Venn ist ein einzigartiges, verletzliches Ökosystem, das sich über Jahrtausende entwickelt hat. In seine Renaturierung wurde viel investiert. Es speichert CO₂, filtert Trinkwasser und hält Regen zurück. Von diesem Naturjuwel profitieren wir also weit über den Tourismus hinaus.

Der Brand wirft daher viele politische Fragen auf. Vielen Akteuren, die sich bei der Bekämpfung als entscheidend erwiesen haben, wurden zuvor Mittel gekürzt: Abbau beim Zivilschutz, fehlende Löschflugzeuge, überzogener Personalabbau bei der Forstverwaltung, Einsparungen beim Natur- und Klimaschutz, Engpässe bei den Hilfeleistungszonen. Symbolische Dankbarkeit von Regional- und Föderalregierung reicht nicht. Erkenntnisse über Brandrisiken dürfen nicht in Schubladen verschwinden. Einsatzkräfte brauchen aktuelles Kartenmaterial und Ortskenntnis. Im schwer zugänglichen Gelände hatten wir Glück, dass europäische Luftunterstützung verfügbar war. Mit zunehmendem Risiko müssen wir aber mit unseren Nachbarn mehr gemeinsame Mittel zur Brandbekämpfung aufbauen.

Wetterextreme wie Dürren und heftige Regenfälle werden zunehmen. Jedes Zehntel Grad weniger Erderwärmung und jede intelligente Anpassung unseres Lebensraums an diese Veränderungen werden hilfreich sein.
Wir brauchen zum Schutz unserer Bevölkerung eine bessere Risikokultur und eine Abschwächung der Folgen des Klimawandels. Dazu brauchen wir ausreichende finanzielle Mittel. Diese nicht vorzusehen, wird uns nicht nur finanziell ein Vielfaches kosten.

 

Freddy Mockel
– Ecolo-Abgeordneter im wallonischen Regionalparlament