62 Chalets am Fuße der Weser

Fünf Jahre nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe von 2021 steht Eupen erneut vor einer grundlegenden Entscheidung im Umgang mit Hochwasserschutz und den Lehren aus den vergangenen Ereignissen.

In der Unterstadt an der Oe – Camping Hertogenwald-  will ein internationaler Investor einen Ferienpark mit 62 Chalets errichten. Ein Teil der geplanten Bebauung befindet sich unmittelbar entlang der Weser, teilweise weniger als 15 Meter vom Fluss entfernt. Die öffentliche Untersuchung ist inzwischen abgeschlossen. Für ein Projekt dieser Größenordnung verlief das Verfahren bislang erstaunlich geräuschlos. Ein Zufall?

Nicht ob Tourismus – sondern welcher Tourismus

Niemand bestreitet, dass die touristische Entwicklung der Unterstadt Chancen für Eupen bietet. Zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten und die Aufwertung des ehemaligen Camping Hertogenwalds können die Attraktivität des Standorts steigern.

Die eigentliche Frage lautet jedoch nicht, ob Tourismus entwickelt werden soll. Die Frage lautet vielmehr, welche Art von Entwicklung wir an diesem sensiblen Standort wollen.

Ein Fluss braucht Raum

Während zahlreiche Gemeinden in der Wallonie in den vergangenen Wochen erneut von Starkregen, Überschwemmungen und Schlammlawinen betroffen waren, soll an der Weser künftig Chalet an Chalet entstehen.

Laut Investor und Stadtverwaltung liegt eine technische Hochwasserstudie für dieses Gelände vor, die die „Neutralität“ der Maßnahme bewertet. Doch die entscheidende Frage bleibt offen: Sollte diese Fläche langfristig nicht viel mehr als natürliche Retentions- und Pufferzone für die Weser gesichert werden? Also nicht nur Neutral sein, sondern ein Zusatz, für den Hochwasserschutz?

Gerade dort, wo heute noch weitgehend unbebaute Flächen bestehen, droht eine einmalige Chance verloren zu gehen. Statt dem Fluss mehr Raum zu geben, würde die Flussaue dauerhaft bebaut.

Neue Risiken für Einsatzkräfte

Auch die zukünftige Verantwortung im Krisenfall verdient mehr Aufmerksamkeit.

Bei jeder Unwetterwarnung werden sich die Sicherheitsdienste künftig die Frage stellen müssen, ob die Gäste des Ferienparks evakuiert werden müssen. Ein Projekt dieser Größenordnung schafft zusätzliche Risiken und neue Herausforderungen für die Einsatzkräfte.

Ebenso stellt sich die Frage, ob die Bevölkerung ausreichend über die langfristigen Folgen für Hochwasserschutz, Landschaftsbild und Sicherheit informiert und welche Alternativen für diesen Standort geprüft wurden.

Eine andere Vision für die Unterstadt

Noch ist die Entscheidung nicht gefallen. Deshalb werben wir dafür, die Fläche nicht vorschnell zu verbauen, sondern ihre Bedeutung für Hochwasserschutz stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Genau wie es auch in Studien nach der Hochwasserkatastrophe entwickelt wurde. Wir plädieren für eine andere Vision dieses Standorts: einen Tourismus im Einklang mit Natur und Hochwasserschutz. Wohnmobilstellplätze, einige hochwertige Übernachtungsmöglichkeiten, naturnahe Freizeitangebote und großzügige Grünflächen- nicht ein Chalet dicht gedrängt neben dem anderen, könnten die Attraktivität des Ortes ebenso steigern, ohne die Flussaue dauerhaft zu bebauen.

Entscheidung mit Weitblick

Ende Juni soll über die Genehmigung entschieden werden.

Fünf Jahre nach der Katastrophe von 2021 darf es nicht allein darum gehen, ob ein Projekt die aktuellen technischen Anforderungen erfüllt. Entscheidend ist die Frage, welche Entwicklung langfristig der Sicherheit der Bevölkerung und der Zukunft unseres Tals dient.

Die heute noch weitgehend unbebaute Fläche entlang der Weser bietet eine seltene Gelegenheit, Raum für den Fluss zu erhalten und zusätzliche Sicherheitsreserven zu schaffen, Dafür stehen auch Gelder zu Verfügung. Eine Bebauung dieser Größenordnung wäre unumkehrbar. Umso wichtiger ist es, jetzt eine Entscheidung mit Weitblick zu treffen.

Wir appellieren daher an das Gemeindekollegium, in dieser Frage Weitblick zu zeigen und den langfristigen Interessen des Hochwasserschutzes Vorrang einzuräumen.

Die Ecolo Fraktion im Eupener Stadtrat

Quelle Foto: jetcamp.com, Ecolo-Fraktion im Eupener Stadtrat