In den vergangenen zwei Wochen wurde im wallonischen Parlament sehr intensiv mehrmals der Zustand der Forstverwaltung diskutiert. Nach einem Einstellungsstopp, obwohl schon Personalmangel herrschte, kamen Pläne ans Tageslicht, die eine Aufteilung der Aufgaben der Forstverwaltung auf mehrere Abteilungen vorsieht. Besonders pikant war, dass dazu bei einer parlamentarischen Frage des ostbelgischen ECOLO-Abgeordneten Freddy MOCKEL herauskam, dass die Ministerin Dalcq (MR) bis zuletzt nichts von diesen Plänen wusste und auch nicht in der Lage war, sich konkret dazu zu äußern.

Bisher letzte Episode war, dass sich als Reaktion sämtliche Ebenen der Forstverwaltung trafen und im Anschluss ein Grundsatzpapier verabschiedeten, das die geplante «Reform» in seine Einzelteile zerlegte. Eine Reform, die wohlgemerkt als konzertiert und mit viel Beteiligung erstellt, verkauft wurde. Wobei die Forstbeamten sich nicht gegen eine Reform an sich stellen. Aber sie weisen deutlich auf den Unsinn hin, beispeilsweise Naturschutz, Holzgewinnung und Jagd auf drei verschiedene Verwaltungen auf zu teilen.

Auch in der letzten Ausschusssitzung, in der Mockel dieses Grundsatzpapier zur Sprache brachte, war die Ministerin nicht in der Lage, sich deutlich vor ihre Verwaltung zu stellen und mehr Mittel ein zu fordern. «Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Ministerin nur Zuschauerin ist, währen man ihre eigene Verwaltung zerpflückt», so Mockel.

Haarsträubende Situationen erlebte man auch in den vergangenen Monaten, weil es sogar an Uniformen und Schuhen mangelte und sämtliche Dienstgewehre der Forstverwaltung sozusagen wegen Altersschwäche aus dem Verkehr gezogen werden mussten.

Auch in Ostbelgien ist der Personalmangel sehr akut und wird sich in den kommenden Jahren noch weiter verschlimmern, weil durch Beschluss der MR-Engagés-Mehrheit allgemein und linear nur ein Abgang von drei ersetzt werden darf. Dies hat in der Forstverwaltung aber fatale Folgen. Auf die Forderung hin, zumindest eine teilweise Kompensierung der Abgänge in den ostbelgischen Forstrevieren vor zu sehen, war die Ministerin nicht bereit ein zu gehen.

In diesem Kontext befürchten daher die hiesigen Gemeinden zurecht, dass sich dies negativ auf den Zustand unserer Wälder auswirken wird. Bevor die Pläne zur Aufteilung der Forstverwaltung auftauchten, hatte die Ministerin monatelang ermittelt, welche Aufgaben der Forstverwaltung denn prioritär sein könnten, wobei unklar blieb, wer denn die nicht mehr wahrgenommenen Aufgaben übernehmen sollte. Zeitweise mussten sich die Gemeinden als gefordert ansehen, zeitweise war sogar von Privatunternehmen die Rede.

Laut Mockel wird auch das in der letzten Plenarsitzung des wallonischen Parlaments vom 15. Juli verabschiedete Dekret zum Erhalt der Gesundheit unserer Wälder (siehe Käferbefall, Brände, Wahl resilienter Baumarten, …) nichts an dieser Lage ändern. «Niemand hat etwas gegen die großen Ziele dieses Dekrets ein zu wenden. Es ist klar, dass man in Zukunft viel planmäßiger und flexibler die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Wälder abfedern muss. Das braucht man als Abgeordnete(r) nicht triumphierend als Erfolg in der Presse zu verkünden; erst recht nicht, wenn man vorher nichts zur Debatte beigetragen hat und noch nicht einmal bei der Abstimmung anwesend war. So etwas machen nicht viele, aber oft die gleichen.»

Bei der Umsetzung der möglichen Massnahmen des Dekrets, etwa zu welchen Bedingungen zum Beispiel massive Abholzungen stattfinden dürfen, schieden sich allerdings schon die Geister. So wurde einer der von Freddy MOCKEL hinterlegten Abänderungsvorschläge, der für solche Fälle noch einige Sicherheitsriegel vorsah, mit den Stimmen der MR-Engagés-Mehrheit abgelehnt.

Mitentscheidend für eine Ablehnung dieses Dekrets durch die gesamte Opposition, auch durch die zwei anwesenden ostbelgischen Abgeordneten, und dies trotz der hohen und geteilten Ziele, war auch, dass ausgerechnet die durch die MR-Engagés so arg gerupfte Forstverwaltung im Rahmen dieses Dekretes neue bzw. erweiterte Aufgaben wahrnehmen soll.

«Das nenne ich schon nicht mehr widersprüchlich, das ist ein Hohn und grenzt an Zynismus», so Mockel abschließend.