Ecolo-Ostbelgien besuchte den Hambacher Forst

Auf Einladung von Ecolo-Ostbelgien besuchte eine Reisegruppe aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft den Tagebau Hambach und den angrenzenden Hambacher Forst. Hier sorgte der Widerstand von Umweltaktivisten gegen die Rodung des letzten verbliebenen Teilstücks des Waldes im Herbst 2018 europaweit für Aufsehen.

Ja – die Rodung ist gestoppt. Vorerst. Voraussichtlich bis 2020 muss der Hambacher Forst unangetastet bleiben, der Kohleabbau im Tagebau wird derweil fortgeführt. Der seit 1978 entstandene, 8 mal 10 Kilometer große und 500 Meter tiefe Krater ist ein beängstigendes Beispiel für den Eingriff des Menschen in die Natur und in seinen eigenen Lebensraum: Die Förderung von Braunkohle ist eine der klimaschädlichsten Formen der Energiegewinnung, das bei der Kohleverbrennung ausgestoßene CO2 trägt maßgeblich zur globalen Erwärmung bei. Dafür müssen Wald, Wiesen und Fauna weichen, Ortschaften werden dem Erdboden gleichgemacht und deren Bewohner – mal mehr, mal weniger freiwillig – umgesiedelt.

Die Gruppe besuchte zunächst die inzwischen weitestgehend zum Geisterdorf verkommene Ortschaft Morschenich. Eine solche Einöde mitten in Europa und etwa 40 Kilometer von Ostbelgien entfernt ist schwer vorstellbar – bis man sie mit eigenen Augen sieht. Bis 2024 haben die letzten der ursprünglich knapp 500 Einwohner Zeit, das Dorf zu verlassen – als „Wiedergutmachung“ für die dann anrollenden Bagger tritt der Energiekonzern, der den Tagebau betreibt, in „Morschenich-Neu“ als Sponsor des dortigen Schützenfestes auf.

Weniger zünftig geht es bei den „Waldmenschen“ zu, Umweltschützer und -aktivisten, die den Wald durch ihre Anwesenheit in Baumbehausungen schützen. „24 Stunden am Tag hier zu sein bringt mehr, als nur zu demonstrieren. Wenn wir nach einer Demo abgezogen wären, wäre der Wald längst gerodet. Wir wollten nicht nur reden, sondern aktiv etwas machen“, so die Waldmenschen. Sie leben in unterschiedlichen „Siedlungen“, sogenannten Barrios, und halten sich durch Spenden von Privatpersonen und Betrieben über Wasser. Manche unter ihnen sind seit Jahren als Waldschützer aktiv, andere erst seit Kurzem; einige sind fortwährend im Hambacher Forst zugegen, andere zeitweilig. Ihr Idealismus und ihre Beharrlichkeit sind bemerkenswert. Ihr Widerstand richtet sich in erster Linie gegen die Abholzung des Hambacher Forstes, hat aber ebenso sehr Symbolcharakter für alle Initiativen, die dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet sind: Klima- und Umweltschutz, Wahrung des Lebensraumes und der Artenvielfalt.

Ecolo möchte auf politischer Ebene Verantwortung übernehmen und sich für einen enkeltauglichen Planeten einsetzen: Wir wollen erneuerbare Wind- und Sonnenkraft zur primären Energiequelle machen. Wir wollen energieeffizienten Wohnungsbau ermöglichen, indem nachhaltig produzierende und bauende Unternehmen gefördert werden. Wir möchten hiesige Landwirte und weiterverarbeitende Betriebe und Händler noch mehr unterstützen, um dem Verbraucher regionale, schonend angebaute und fair gehandelte Erzeugnisse zugänglich zu machen. Unsere Politik der kurzen Wege würde Ferntransporte und damit Verpackungsmaterial weitgehend überflüssig machen. Eine plastikfreie DG ist das Ziel.

Der Klimawandel ist weltweit eine der primären Fluchtursachen, er wirkt sich in Form von Dürreperioden und Wirbelstürmen auch auf Zentraleuropa aus. Wer den Raubbau von Ressourcen und dessen Auswirkungen auf unseren Lebensraum mit eigenen Augen sehen will, dem sei ein Besuch des Hambacher Forstes ans Herz gelegt. Die Mühe lohnt sich, denn es geht um #deinemutter.

Björn Marx
Platz 5 für die Wahlen zum PDG