Pressemitteilung:

Anlässlich der 100 Jahre Zugehörigkeit der Ostkantone Eupen-Malmedy-Sankt-Vith, kam berechtigterweise eine Diskussion auf, weil die durch die Deutschsprachige Gemeinschaft im Senat organisierten Feierlichkeiten die Rolle der Gemeinden Malmedy und Weismes komplett außer Acht liess, obwohl diese genau das gleiche Schicksal teilten.
Besonders irreführend wird dies, wenn zum wiederholten Male von „Ostbelgien“ die Rede ist, egal ob es sich um die Deutschsprachige Gemeinschaft, die elf Gemeinden der „Ostkantone“ oder tatsächlich um Standortmarketing geht.

Dieses „Übersehen“ der frankophonen Nachbargemeinden Malmedy und Weismes ist auch kein Versehen, hier hat sich die Paasch-Regierung und ihre ProDG-SP-PFF-Mehrheit als Wiederholungstäter erwiesen. Auf einer vordatierten (weil so kurz vor den Wahlen noch möglichen) 100-Jahr-Feier im Parlament der DG wurden die beiden Schwestergemeinden genauso außen vor gelassen.
Den Einwurf des Ministerpräsidenten, die Veranstaltung im Senat sei vor dem Hintergrund der Rolle der Institution Deutschsprachige Gemeinschaft zu verstehen, spiegelt weder die Veranstaltung noch die Geschichte wieder.

Freddy MOCKEL, der ECOLO-Fraktionsvorsitzende im PDG, wohnte der Veranstaltung ebenfalls bei. Für ihn ist deutlich: „Hier mussten wiederholt und eindeutig die geschichtlichen Realitäten und der Respekt der frankophonen Nachbarn dem Politikmarketing der DG-Regierung weichen.“

Hinzu kommt, dass zum wiederholten Male der Begriff Ostbelgien nicht nur für das Standortmarketing benutzt wird, sondern auch politisch missbraucht wird, was zur Verwirrung führt.
Nach der Kritik des Malmedyer Bürgermeisters sprach Paasch in seiner Reaktion plötzlich wieder konsequent von der „Deutschsprachigen Gemeinschaft“. Die Veranstaltung habe die Rolle der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien beleuchtet, das Auslassen von Malmedy und Weismes sei so zu erklären und es würden noch gemeinsame Events folgen.

Doch die Realität sieht und sah anders aus, wenn just zum 100. Jahrestag des Versailler Vertrags im Senat Botschafter und hohe Gäste zu „100 Jahre Ostbelgien“ eingeladen werden, wenn zu „100 Jahre Ostbelgien“ Reden gehalten werden und die Kommunikation in den Reden der Politiker allesamt nur Ostbelgien nennen.

Wir erleben das Resultat eines Marketings, das die Begrifflichkeiten der gliedstaatlichen Institutionen für Bürger und Politiker komplett aufgeweicht hat. Selbst der Titel der Rede Karl-Heinz Lambertz‘ zum Festakt trägt den Titel: Rede des Parlamentspräsidenten Karl-Heinz Lambertz anlässlich der 100-jährigen Zugehörigkeit Ostbelgiens zum Königreich Belgien. Reden wir also über die DG, die es damals nicht gab, über Ostbelgien oder über die Ostkantone, zu denen Malmedy und Weismes gehören?

Kaum einem Bürger kann in den letzten Jahren entgangen sein, mit welcher Macht eben jene DG-Regierung das „Ostbelgien“-Logo in jeden Kontext einbringt, egal ob touristischer oder politischer Natur. Offizielle Dokumente der Regierung werden genauso mit „Ostbelgien“ markiert, wie die Broschüre für Wanderer der Region. Dass diese Vermengung kontraproduktiv ist, darauf hatte Freddy Mockel im Parlament bereits oftmals in der Vergangenheit hingewiesen: „Es ist sogar soweit gekommen, dass mit dem Begriff Ostbelgien das Politikmarketing zum Politikermarketing geworden, sprich zum Marketing für den Politiker und Ministerpräsidenten Paasch“.

Deshalb möchte die ECOLO-Fraktion im PDG die Analyse der Veranstaltung im Senat auf jeden Fall zum Anlass nehmen, um nochmals die Frage der konsequenten Trennung von Standortmarketing für Wirtschaft und Tourismus und Politikmarketing aufzunehmen. Das ist im Sinne des Bürgers, ob nun in Ostbelgien oder in der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Freddy Mockel
Fraktionsvorsitzender

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