Seit Beginn der russischen Attacke auf die Ukraine steigen unsere Lebenshaltungskosten. Energie, Nahrungsmittel, Baumaterial – die Liste ist lang und stellt unsere Weltsicht zumindest teilweise auf den Kopf. Niemand entkommt den leeren Regalen, auch wenn ganz klar Menschen ohne oder mit geringem Einkommen viel mehr darunter leiden.

Für meine Generation gab es leere Regale bisher höchstens in Kriegsgeschichten der Großeltern oder in Reportagen aus Ländern, die wir heute „dritte Welt“ nennen. Wir leben im Überfluss; haben quasi rund um die Uhr Zugang zu einer gigantischen Auswahl an Produkten, zu oft mehr als günstigen Preisen.

Dabei steht der Preis längst nicht mehr für den Wert eines Produkts. Und das wird sich auch nicht ändern, solange wir auf Kosten der Umwelt und der Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern produzieren.

Was haben aber die leeren Regale und der Preis miteinander zu tun? Für viele ist das schnell geklärt: Knappheit führt zu höheren Preisen und dann irgendwann auch zu leeren Regalen. Doch so einfach ist das nicht. Selbst die EU-Kommission erkennt in einem Bericht an, dass es zum Beispiel für Korn und Sonnenblumenöl aktuell bei uns noch gar keine Knappheit gibt. Es ist vor allem die Spekulation auf Lebensmittelpreise auf dem Weltmarkt, die Preise in die Höhe treibt. Die Angst vor einer Knappheit später dieses Jahr bringt die Märkte heute schon dazu, höhere Preise für Lebensmittel anzusetzen. Und das Schlimmste ist: Staaten haben der Profitgier an der Börse wenig entgegen zu setzen.

Diese Entwicklung ist aber keine Fatalität. Wenn wir für unsere Grundversorgung in Zukunft nicht mehr den Launen des Weltmarks ausgeliefert sein wollen, müssen wir die wichtigsten Teile unserer Produktion wieder selbst kontrollieren und sie bei uns wieder aufbauen. Globalisierung macht Sinn, aber nicht egal wie und nicht egal was. Der Krieg in der Ukraine hat das noch einmal deutlich gemacht.

Produktionen zu Relokalisieren ist nicht nur gut für unsere Versorgungssicherheit, sondern bietet auch eine Chance, Produktionen wieder so zu gestalten, dass sie sozial gerechte Arbeitsbedingungen, das Klima und die Umwelt respektieren. Übernehmen wir also Verantwortung, als Politiker und als Bürger. Die kommenden Generationen werden es uns danken.

 

Anne Kelleter – Wallonische Regionalabgeordnete

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