Ecolo fordert mehr Engagement für Bildung und Lehrkräfte
Während sich die Regierung für ihr Handyverbot an Schulen feiert, vermisst Ecolo echte Impulse im Bildungswesen. “Maßnahmen gegen den Lehrermangel sucht man vergeblich. Die Zusammenarbeit der Bildungsakteure läuft noch immer nicht rund. Und auch eine Bildungsreform, mit der unser Unterrichtswesen auf die Erfolgsspur zurückkehren könnte, ist nicht in Sicht”, erklärt Andreas Jerusalem.
In ihrer Pressekonferenz schildert die Ecolo-Fraktion, welche Schwerpunkte sie neben dem Unterrichtswesen in diesem Sitzungsjahr verfolgen wird.
Das Bildungswesen der DG ist nach Ansicht des Ecolo-Abgeordneten robust. Das Personal der Schulen leiste tolle Arbeit. Dennoch bleibe der Erfolg offenbar aus, wofür Ecolo auch politische Gründe anführt. “Als Oliver Paasch 2004 Bildungsminister wurde, herrschte vor allem im Kindergarten- und Primarschulbereich Personalüberschuss. Mittlerweile herrscht das genaue Gegenteil!“ Zu Beginn eines Schuljahres seien demnach die meisten Stellen besetzt. Doch Abwesenheiten sorgten für steigenden Unterrichtsausfall. Außerdem würden viele Stellen mit nicht ausgebildeten oder fachfremden Lehrpersonen besetzt. Für Kinder und Eltern bedeutet das vor allem eines: weniger Verlässlichkeit und schlechtere Voraussetzungen für guten Unterricht. “Wirksames Unterrichten setzt eine fundierte Kenntnis der Materie und ein pädagogisches Rüstzeug voraus. Ich bin froh und dankbar über jede Person, die bereit ist, entstandene Lücken zu füllen. Aber wir können unser System nicht darauf aufbauen”, so Andreas Jerusalem.
Jede Lehrperson müsse sich laut Ecolo unterstützt und begleitet fühlen. Davon profitieren am Ende nicht nur die Lehrkräfte, sondern auch Kinder und Eltern, die auf einen verlässlichen Schulalltag angewiesen sind. “Das beginnt bei passenden Weiterbildungsangeboten und endet bei funktionierenden Prozessen zwischen allen Akteuren des Bildungswesens”, erklärt Jerusalem. Auch hier müsse das politische Engagement steigen.
Gleichzeitig müssten die großen Reformversprechen der Regierung endlich Fahrt aufnehmen. “Bis auf grobe Konzepte habe ich noch nichts gesehen”, kritisiert Jerusalem. Das spreche vor allem für eine methodische Schwäche. “Die OECD hat deutlich erklärt, dass Partizipation die Voraussetzung für erfolgreiche Reformen darstellt. Daher müssen alle Akteure an der Weiterentwicklung mitarbeiten. Dadurch werden die Veränderung besser akzeptiert und sogar beschleunigt!” Die Regierung verspiele hier also ein große Chance, so der Ecolo Bildungspolitiker.
Auch bei der Prävention sieht die Ecolo-Fraktion großen Handlungsbedarf. Gerade bei Kindern und Jugendlichen zeige sich, wie wichtig es sei, nicht erst dann zu handeln, wenn eine Situation bereits eskaliert ist. „Natürlich kostet Prävention Geld. Aber das Reagieren auf Krisen ist so viel teurer“, erklärt Fabienne Colling. Für sie geht es deshalb darum, Unterstützung möglichst früh und niedrigschwellig anzubieten und die Strukturen so auszustatten, dass sie Familien und junge Menschen auch tatsächlich erreichen können.
Das betreffe insbesondere die Jugendhilfe und den Jugendschutz. Dort brauche es genügend Personal, verlässliche Angebote und funktionierende Wege zwischen den verschiedenen Akteuren. „Wir dürfen nicht warten, bis aus einer schwierigen Situation eine Krise geworden ist“, so Colling. Gerade bei Kindern und Jugendlichen könnten frühe Begleitung und gezielte Unterstützung verhindern, dass sich Probleme verfestigen und später nur noch mit großem Aufwand aufgefangen werden müssen.
Der dritte Schwerpunkt der Ecolo-Fraktion liegt bei Infrastruktur, Raumordnung und Energie. Gerade angesichts der angespannten Finanzlage könne es nicht darum gehen, einfach weiterzumachen wie bisher. „Wenn ich jeden Euro nur einmal ausgeben kann, wie viele Fliegen kann ich mit einer Klappe schlagen?“, fragt Fabienne Colling. Investitionen müssten deshalb nicht nur kurzfristig sinnvoll erscheinen, sondern langfristig Wirkung entfalten – sozial, ökologisch und finanziell.
Flächen sind eine begrenzte Ressource und müssten deshalb bewusst genutzt werden. Die DG brauche einen klaren Rahmen dafür, wo gewohnt, gewirtschaftet, Energie produziert und die Natur geschützt werden soll. Dabei gehe es um ganz konkrete Fragen des Alltags: Wie schaffen wir Wohnraum, den sich Menschen leisten können? Wie senken wir die Abhängigkeit von hohen Energiepreisen? Und wie sorgen wir dafür, dass Kinder auch an den immer heißeren Tagen in unseren Schulen gut lernen können ? Gleichzeitig müsse das Ziel eines energieautonomen Ostbelgiens konkreter werden: Energiepolitik und Raumordnung gehören zusammen gedacht, indem geeignete Flächen und konkrete Ausbauziele frühzeitig festgelegt werden. Dabei müsse die Bevölkerung von Anfang an beteiligt werden.
Colling hat zudem wiederholt darauf hingewiesen, dass Klimaschutz und Klimaanpassung nicht als isoliertes Politikfeld behandelt werden dürfen, sondern bei Investitionen und Entscheidungen in allen Zuständigkeitsbereichen mitgedacht werden müssen.
„Ob Bildung, Prävention oder Infrastruktur: Wir müssen heute dort investieren, wo wir morgen Probleme und Kosten vermeiden können “, fasst Colling den Anspruch der Ecolo-Fraktion zusammen.