Für viele Familien begann das neue Studienjahr mit einer bösen Überraschung: Die Einschreibegebühren an den Hochschulen und Universitäten der Fédération Wallonie-Bruxelles (Französische Gemeinschaft – FG) sind ab dem akademischen Jahr 2026–2027 deutlich gestiegen. Die volle Einschreibegebühr (Minerval) in der FG beträgt ab sofort 1.194 Euro. Im vergangenen Studienjahr lag der entsprechende Betrag noch bei 835 Euro. Das sind 359 Euro mehr – plus 43% auf einen Schlag! Für Familien, die ohnehin bereits Miete, Lebensmittel, Bücher, Laptop, Fahrtkosten finanzieren müssen, ist das keine Kleinigkeit.
Die Regierung aus MR und Les Engagés in der FG geht offenbar davon aus, dass Familien, die aufgrund ihrer Situation keinen Anspruch auf einen reduzierten Minerval haben, die zusätzlichen Kosten problemlos auffangen können. Für viele Familien kommt diese Mehrbelastung aber zusätzlich zu all den anderen Kosten, die mit einem Studium verbunden sind und ebenfalls steigen.
Besonders bitter ist diese Entwicklung für die Familien in Ostbelgien. Denn während die Französische Gemeinschaft die Hochschulgebühren erhöht, kürzen ihre ostbelgischen Schwesterparteien PFF und CSP gemeinsam mit ProDG gleichzeitig bei den Familienleistungen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft: Der Jahreszuschlag (Schulbonus) wurde gestrichen und die Indexierung des Kindergeldes bis 2028 ausgesetzt.
Ausgerechnet Familien mit Kindern werden damit mehrfach zur Kasse gebeten: Auf der einen Seite steigen die Kosten für das Studium um mehr als 40 Prozent, auf der anderen Seite fällt eine Unterstützung zum Schuljahresbeginn weg und das Kindergeld verliert durch die fehlende Indexierung Jahr für Jahr an Kaufkraft.
Das ist das Gegenteil von sozialer Gerechtigkeit. Politik muss dafür sorgen, dass das Einkommen der Eltern nicht darüber entscheidet, welche Bildungswege ihren Kindern offenstehen. Wer Familien gleichzeitig die Leistungen kürzt und die Kosten für ein Studium erhöht, setzt die falschen Prioritäten. Bildung ist kein Privileg für diejenigen, die es sich leisten können, sondern ein Recht für alle. Eine DG-Regierung, die es ernst mit der Bildungsgerechtigkeit meint, sollte ab sofort den Jahreszuschlag und die Indexierung des Kindergeldes wieder einführen. Die Familien der DG sollten nicht den Preis für mangelnde Haushaltsdisziplin zahlen.
– Fabienne Colling & Franziska Franzen
Ko-Vorsitzende, Ecolo Ostbelgien
Das Problem ist aber nicht neu. Als ich vor über 20 Jahren studieren wollte, war das für meine Eltern nicht möglich. Wir hatten kein Anrecht auf die reduzierten Gebührend, da wir 13€ über der Grenze lagen.
Also habe ich einen anderen Weg eingeschlagen.
Aber trotzdem ist es eine Schande, dass die Studiengebühren heute so hoch sind und die Unterstützungen so niedrig, dass viele Studenten, wenn sie denn die Möglichkeit haben zu studieren im Nachhinein noch abwägen müssen, ob sie Nahrungsmittel kaufen oder Material für das Studium.
Von den immer teurer werdenden Kots sprechen wir mal gar nicht.
Das ist ein Armutszeugnis für unser Land!!!
Danke, Julia, für deinen persönlichen Einblick! Gerade bei starren Einkommensgrenzen zeigt sich, wie schnell man durch ein paar Euro zu viel plötzlich jede Unterstützung verliert, obwohl sich an der eigenen finanziellen Situation kaum etwas verändert hat. Im Moment wird auf jeder politischen Ebene in Belgien bei den Unterstützungen für Studierende gespart: Die Wallonische Region macht das TEC-Abo teurer, die Französische Gemeinschaft erhöht die Studiengebühren, die DG streicht den Schulbonus… Rechnet denn wirklich niemand zusammen, was da am Ende alles gleichzeitig auf die Studierenden und ihre Familien zukommt? Für uns ist das völlig unverständlich.