Freddy Mockel fragt bei Minister Antoniadis bezüglich der Verteilung der Jodtabletten nach.
 

Vergangene Woche startete das Innenministerium die Verteilung von über 4 Millionen Jodtabletten. Alle belgischen Haushalte haben so die Möglichkeit, eine Packung über die Apotheke ihrer Wahl zu erhalten. Trotz des Alters unserer Kernzentralen hoffen wir natürlich, dass die Einnahme nie notwendig sein wird. Generell sinnvoll ist sie nur für Menschen unter 40 Jahre, und vor allem für Heranwachsende. Die Einnahme schützt nur gegen Schilddrüsenkrebs, bzw. einer Ablagerung von radioaktiven Elementen in der Schilddrüse. Wenn auch der beste Schutz vor einem Atom-GAU die Umsetzung der Devise „nur ein stillgelegter Reaktor ist ein guter Reaktor“ ist, so sollte nicht auf diesen zusätzlich Schutz verzichtet werden.

Die Einnahme muss auch zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt erfolgen, nämlich etwa zwei bis drei Stunden bevor die radioaktive Wolke den Aufenthaltsort erreicht. Nachher ist zu spät.

Mindestens genauso wichtig ist es, an dem Ort zu verbleiben, an dem man sich gerade befindet, sich von der Außenluft und Staubpartikeln von außen möglichst ab zu schirmen und auf eine Evakuierung in Schutzanzügen zu warten. Käme es zu einem Reaktorunfall übertags, würden sich ganz viele Menschen in Einrichtungen der Deutschsprachigen Gemeinschaft befinden, bzw. in Einrichtungen die in Verantwortung der DG stehen: in Schulen natürlich, aber auch in den Verwaltungen und Vereinigungen, in Heimen, Krankenhäusern. Um Chaos ein zu schränken und die Chancen auf einen bestmöglichen Schutz zu gewähren, müssten die Menschen also dort verbleiben und nicht nach Hause oder sonst wohin fahren.

Dies bedeutet auch, dass eine ausreichende Reserve an Jodtabletten dort vorgesehen sein muss. Mir ist nicht bekannt, inwieweit die Gesundheitsminister der Teilstaaten über die Interministerielle Konferenz der Gesundheitsminister oder direkt mit dem Innenministerium darin eingebunden waren. Sie selber ließen ja verlauten, Sie hätten sich für deren Verteilung eingesetzt. Dennoch fände ich es schade, wenn die Gesundheitsminister der Teilstaaten, aufgrund des Know Hows ihrer Verwaltungen gerade in Sachen Prävention verzichten würden. In der DG käme sicherlich noch die Nähe zu den Einrichtungen hinzu, die eine gute Vorabinformation effizienter machen würde.

Daher die Fragen an den Gesundheitsminister:

  • Inwieweit wurden Sie in die Pläne des Innenministeriums mit einbezogen bzw. im vorab informiert?

  • Da Sie sich laut eigener Aussage für die Verteilung eingesetzt haben, inwieweit wurden Jodtablettenvorräte in den DG-Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäuser und Heime, aber auch in Schulen angelegt? Wurden in bzw. für diese Einrichtungen durch Sie und/oder das Innenministerium vorbeugende Pläne erarbeitet?

Zum Grenz-Echo Artikel: http://www.grenzecho.net/politik/ostbelgien/dg-blieb-bei-verteilungsplan-aussen-vor